Eva Entscheidung

Geschäftsführerin

Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis für Ihre Immobilie?

Die Diskussion um Wahrheit oder Pflicht mag bekannt sein, doch wenn es um Immobilien geht, gibt es tatsächlich beides! Trotz gelegentlicher Kritik hinsichtlich seiner Aussagekraft ist der Energieausweis für Hauseigentümer mittlerweile verpflichtend und hat eine Gültigkeitsdauer von zehn Jahren. Bei der Auswahl zwischen zwei Berechnungsverfahren, dem verbrauchsorientierten und dem bedarfsorientierten Verfahren, stehen Hauseigentümer oft vor einer Entscheidung. Hier soll eine kleine Entscheidungshilfe dienen – vorausgesetzt, die Immobilie erlaubt es.

Der Verbrauchsausweis

Dieses Dokument basiert auf tatsächlichen Daten zum „Endenergieverbrauch“ der letzten Jahre. Es berücksichtigt mindestens drei Kalenderjahre für alle Wohneinheiten des Gebäudes und gilt für das gesamte Haus. Sogar vorübergehende Leerstände und lokale Witterungsverhältnisse fließen in die Berechnung ein. Ein rechnerischer Klimafaktor sorgt dafür, dass saisonale Unterschiede ausgeglichen werden. Der Verbrauchsausweis ist für Mehrfamilienhäuser mit mindestens fünf Wohnungen vorgeschrieben, da davon ausgegangen wird, dass sich das unterschiedliche Verbrauchsverhalten der Bewohner „ausgleicht“. Er gilt auch für alle Wohnhäuser, die die Wärmeschutzverordnung von 1977 erfüllen.

Der Bedarfsausweis

Dieses Dokument basiert auf dem theoretischen Energiebedarf des gesamten Hauses. Ein technisches Gutachten bewertet dabei bauliche Aspekte wie die Heizungsanlage, Fenster- oder Dämmungsqualität. Bei Neubauten ist diese Berechnung automatisch vorgeschrieben. Ansonsten ist der Bedarfsausweis nur für Häuser erforderlich, die vor 1977 einen Bauantrag gestellt haben und somit nicht den Vorgaben der Wärmeschutzverordnung von 1977 entsprechen, außerdem dürfen sie bis zu vier Wohnungen umfassen. Der Bedarfsausweis beruht auf zwei Hauptwerten: dem „Endenergiebedarf“ als tatsächlichem Energieverbrauch des Hauses und dem „Primärenergiebedarf“, der zusätzlich den Energieaufwand für die Bereitstellung einschließt. Der Primärenergiebedarf liegt bei einem durchschnittlichen Haus über dem Endenergiebedarf, außer bei einem Plushaus, das selbst Energie erzeugt und somit einen niedrigeren Primärenergiebedarf aufweisen kann.

Die Effizienzklassen

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2014 führte neben dem Ziel der Transparenz auch die Einteilung in Energieeffizienzklassen ein, die sowohl für den Bedarfs- als auch für den Verbrauchsausweis gilt. Der Energiekennwert wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr angegeben, während die Skala von grünem A bis rotem H reicht. Passivhäuser werden mit dem Label „A+“ ausgezeichnet, während ungedämmte Altbauten ein „H“ erhalten können.

Die Kosten

Ein Verbrauchsausweis lässt sich mit einigen Angaben zum Gebäude und zum Verbrauch der letzten drei Heizperioden im Internet bestellen und kostet nur einen zweistelligen Euro-Betrag. Anders verhält es sich beim Bedarfsausweis: Für die dazugehörige Untersuchung der Immobilie darf ein zertifizierter Experte mehrere hundert Euro verlangen. Hauseigentümer, die es sich leisten können, keinen Energieausweis vorzulegen, müssen mit einer Höchststrafe von 15.000 Euro rechnen. Dies ist jedoch für Häuser mit maximal 50 Quadratmetern Nutzfläche, denkmalgeschützte Gebäude und ausschließlich selbst genutzte Einfamilienhäuser nicht erforderlich.

Fazit: Um potenziellen Mietern oder Käufern alle Informationen über Ihr Haus zugänglich zu machen, präsentieren Sie Ihren Energieausweis!


Bild: Bill Mead @unsplash